«... ut mens nostra concordet voci nostræ.»
Regula S. Benedicti Capitulum XIX
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Das Ensemble

Das Ensemble «vox gregoriana» war ursprünglich eine gemischte Choralschola, seit etwa zwei Jahren gehören ihr aber nur noch Frauen an. Männer zum Singen zu gewinnen, vor allem wenn es fast ausschliesslich Auftritte im liturgischen Umfeld gibt, ist mittlerweile schwierig geworden. Bei den Mitgliedern handelt es sich um Amateure, wenn auch einige über geschulte Stimmen und profunde Kenntnisse der Ästhetik und Semiologie des Gregorianischen Chorals verfügen. Die Mitglieder kommen aus Heidelberg und der weiteren Umgebung. Es sind die verschiedensten Berufe wie auch verschiedene Konfessionen vertreten. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass der Gregorianische Choral in einer Zeit lange vor jeder konfessionellen Trennung entstanden ist.

Hervorgegangen ist «vox gregoriana» aus einer Arbeitsgruppe an der Ev. Studierendengemeinde Heidelberg, wo sich erstmals 1994 etwa ein Dutzend Studierender zusammenfand, um sich intensiv mit dem Gregorianischen Choral zu befassen. Von Anfang an war es ein wesentliches Anliegen, keine ‹Konzerte› mit Gregorianischem Choral vorzubereiten, sondern den Choral im liturgischen Rahmen zu pflegen. So wurde einmal im Quartal ein ‹Gregorianisches Abendlob› angeboten, wie auch die wöchentliche lateinische Komplet in der Peterskirche (Universitätskirche) Heidelberg ein zentraler Bestandteil der Arbeit des Ensembles war, das sich im Jahr 2001 seinen heutigen Namen gab.

Bei mehreren Reisen konnte «vox gregoriana» auch ausserhalb Heidelbergs Menschen das lateinische Lob Gottes nahe bringen, so etwa in der Ref. Kirche Ascona (Schweizer Tessin), im Dom zu Paderborn oder in der näheren und ferneren Umgebung von Heidelberg (siehe auch unser Archiv).

Heute sieht «vox gregoriana» seine Hauptaufgabe darin, Sonn- und Feiertagsgottesdienste an der katholischen Stadtpfarrkirche St. Raphael Heidelberg-Neuenheim, wo sich das Ensemble Weihnachten 2006 nach längerer Pause neu formiert hat, als Choralämter zu gestalten und dort jeden Dienstag die lateinische Komplet zu feiern. Für die Zukunft ist geplant, hin und wieder ein ‹Gregorianisches Abendlob› zu feiern und sich verstärkt in der Seelsorgeeinheit St. Raphael / St. Vitus einzubringen, etwa mit feierlichen Feiertags-Vespern im frühgotischen Chor der Pfarrkirche St. Vitus Heidelberg-Handschuhsheim.


Die Frauenschola von vox gregoriana
Die Frauenschola von «vox gregoriana» am 15. August 2009 (Mariä Himmelfahrt)
am Marienaltar der Pfarrkirche St. Raphael.



Der Leiter

« Aufgewachsen in der Nähe des ältesten Klosters im deutschsprachigen Raum, einem Benediktinerkloster, war ich schon als Kind sehr beeindruckt von den Chorgebeten der Mönche in ihrer über 700jährigen Klosterkirche, die seit ihrer Weihe kaum Veränderungen erfuhr. Je älter ich wurde, desto mehr zog es mich an diesen geweihten Ort.

Später ging ich dieser Faszination auf den Grund, indem ich begann, mich intensiver mit dem Gregorianischen Choral zu befassen. Zusammen mit einigen KommilitonInnen gründete ich eine Choralschola an der Universitätskirche Heidelberg. Wir gestalteten Gottesdienste und machten Wochenendausflüge zu Klöstern, wo wir uns von den Kantoren instruieren liessen. Irgendwann ergab sich die Gelegenheit, den Gregorianischen Choral in einem fundierten kirchenmusikalischen Studium gründlich zu erlernen, nachdem ich bereits Theologie und Germanistik studiert hatte.

Je länger ich mich mit diesem gesungenen Gebet befasse, desto grösser wird die Faszination. Jedesmal, wenn ich eine Probe – kann man hier eigentlich von «Probe» sprechen? – oder einen Gottesdienst vorbereite, geniesse ich es, die Nuancen der Stücke auszuloten, der Textbedeutung bis ins letzte Detail nachzuspüren. Den Sängern und Schreibern des neunten und zehnten Jahrhunderts gelang es, mit wenigen feinen Federstrichen und wenigen Worten oft mehr an Theologie – «Rede von Gott» – zu vermitteln, als es die dicken Bücher vermochten, die ich während meines Theologie-Studiums las. Wenn ich über den Handschriften aus Einsiedeln oder Sankt Gallen sitze, dann fühle ich mich wundersam synchron mit den Brüdern, die vor über tausend Jahren diese Texte sangen und schrieben, und es wird mir deutlich, was das Faszinosum des Gregorianischen Chorals ausmacht: Er ist immun für das Strömen, ja das Verströmen oder Zerströmen der Zeit. Wer Choral singt, wer ihm Stimme und damit Körper, Leib, Fleisch verleiht, den macht er wie ein Immunstimulans selbst immun für das Rasen der äusseren Zeit, wenigstens während weniger Augenblicke, «...ut mens nostra concordet voci nostræ – damit unser Geist im Einklang sei mit unserer Stimme» (Regula Benedicti, Cap. 19). »

Christof Nikolaus Schröder


Niko Schröder als Augustinerchorherr

Niko Schröder als Augustinerchorherr
Der Leiter als Augustinerchorherr am 9. August 2009
beim mittelalterlichen Klosterfest in Pfaffen-Schwabenheim (Rheinhessen).




CNS 2007-06-12 / 2012-05-19